«Zugänge schaffen: Dolmetsch-Unterstützung für traumatisierte Personen in der Psychotherapie»

Begleitevaluation des Pilotprojekts

Das Staatssekretariat für Migration lancierte im März 2016 das zweijährige Pilotprojekt «Zugänge schaffen - Dolmetschunterstützung für traumatisierte Personen in der Psychotherapie». In dessen Rahmen erhielten psychiatrische Institutionen aus allen Landesteilen einen finanziellen Beitrag für interkulturelles Dolmetschen, um mehr traumatisierten Flüchtlingen eine Behandlung zu ermöglichen. Die Projektpartner sollten zudem ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit qualifizierten interkulturell Dolmetschenden sowie in der Behandlung der Zielgruppe ausbauen, vertiefen und austauschen können. Zur Überprüfung dieser Ziele wurde das Pilotprojekt einer Begleitevaluation unterzogen.


Bei den Projektpartnern herrscht Einigkeit, dass interkulturelles Dolmetschen in der Psychotherapie und insbesondere in der Traumabehandlung ein unverzichtbares Instrument darstellt. Alle bis auf einen Projektpartner hatten auch schon vor dem Pilotprojekt mit interkulturell Dolmetschenden gearbeitet – der Umfang hing von den finanziellen Möglichkeiten ab. Im Rahmen des Pilotprojekts konnte der Zugang zur Zielgruppe gestärkt werden. Mit Abschluss des Pilotprojekts ist der verstärkte Zugang jedoch wieder gefährdet, da das Grundproblem einer fehlenden einheitlichen und verbindlichen Finanzierung von Dolmetscherdiensten in der Psychiatrie/Psychotherapie ungelöst bleibt.


Während des Pilotprojekt stieg bei den Projektpartnern auch das Bewusstsein über die Gelingensbedingungen einer Dolmetsch-gestützten Behandlung. Auch stieg das Bewusstsein, dass sich nicht alle Dolmetschenden gleichermassen für den Einsatz in der Traumabehandlung oder der Psychotherapie eignen. Als Schlüsselkompetenzen der Dolmetschenden wurden neben den Dolmetsch-Fertigkeiten ein sicherer Umgang mit Nähe und Distanz, Grundkenntnisse über psychische Krankheiten und Therapiemöglichkeiten und ein sicherer Umgang mit den eigenen Emotionen identifiziert. Es wird empfohlen, diesbezügliche Standards zu definieren und mehr in die Ausbildung und Supervision der interkulturell Dolmetschenden zu investieren.




Im Auftrag des Staatssekretariats für Migration SEM

2018

Bericht









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